Anwendungsorientiert heisst hier: die Frage kommt aus dem Betrieb, die Methode aus der Wissenschaft, und das Ergebnis muss in beiden bestehen.
Erste Linie
Blue-Collar-Agility in der Intralogistik
Agile Methoden, agile Führung und agile Werkzeuge werden fast durchgehend im Kontext von Wissens- und Projektarbeit erforscht. Was geschieht, wenn dieselben Prinzipien sich in Schichtarbeit, körperlich gebundener Tätigkeit und unter realem Taktdruck bewähren müssen? Und was geschieht, wenn man die Beschäftigten selbst danach fragt, statt über sie zu forschen?
Offen waren drei Dinge: eine tragfähige Konzeptualisierung intralogistischer Blue-Collar-Arbeit, die kontextspezifischen Determinanten operativer Reaktionsfähigkeit, und ein Übertragungsrahmen, der im Schichtalltag standhält.
Blue-Collar-Tätigkeit in der Intralogistik geht über Routine hinaus. Sie verlangt Systemverständnis, Koordination und Verantwortungsübernahme. Wer sie als repetitiv modelliert, modelliert am Gegenstand vorbei.
Was daraus entstanden ist
- Eine theoretische Konkretisierung intralogistischer Blue-Collar-Tätigkeit mit ihren kognitiven und sozialen Anforderungen.
- Eine empirisch gestützte Erweiterung des Responsiveness-Modells nach Richey et al. um Erfahrungswissen, Prozessstabilität und gelebte Fehlerkultur.
- Ein Portfolio agiler Mikro-Praktiken: angepasste Kurzbesprechungen, visuelle Flusssteuerung, kontinuierliche Verbesserung, Tandem-Schichtmodelle.
- Ein Gestaltungsbaukasten, der einzelne Elemente schrittweise überführt, statt ganze Frameworks zu implantieren.
Grundlage sind ein systematisches Literaturreview und 23 teilstrukturierte Experteninterviews in der Deutschschweiz. Auswertung als qualitative Inhaltsanalyse mit MAXQDA, Intercoder-Reliabilität über Cohen’s Kappa.
Zweite Linie
Entscheidungsunterstützung in der Logistik
Wie lassen sich klassische Methoden der Bestandssteuerung so aufbereiten, dass ein mittelständisches Unternehmen sie tatsächlich anwendet und nicht nur zur Kenntnis nimmt? Gestaltungsorientierte Forschung, bei der am Ende ein lauffähiges Werkzeug steht und nicht ein Modell auf Papier. Das Artefakt ist der Prüfstein: was sich nicht bedienen lässt, hat die Frage nicht beantwortet.
Aus dieser Linie sind bisher zwei Working Papers zur ABC/XYZ-Klassifikation hervorgegangen. Ein weiterer Strang befasst sich mit der Modellierung von Fachdomänen, gemeinsam mit zwei Ko-Autoren. Daraus ist im August 2026 ein erstes Working Paper erschienen.
Studierende
Forschung entsteht auch in der Betreuung
Ein Teil meiner Arbeit läuft über Abschlussarbeiten. Ich schneide sie so zu, dass sie eigene Primärdaten zu Fragen erheben, die an meine Forschungslinien anschliessen, etwa zur Akzeptanz neuer Technik in der Intralogistik oder zur Rolle von Erfahrungswissen bei Störungen.
Die Studierenden bearbeiten ihre eigene Fragestellung und behalten die Autorschaft daran. Wo daraus eine gemeinsame Publikation entsteht, entsteht sie mit ihnen als Ko-Autorinnen und Ko-Autoren. Das ist der Grund, warum ich Betreuung nicht als Nebenpflicht behandle. Mehr zur Betreuung
Methodik
Qualitativ und gestaltungsorientiert, mit dem Anspruch, dass jeder Schritt nachvollziehbar bleibt. Systematische Literaturreviews nach PRISMA, teilstrukturierte Experteninterviews mit dokumentiertem Auswahlkriterienkatalog, qualitative Inhaltsanalyse in MAXQDA mit Gütekriterien. Für Werkzeugentwicklung Design Science Research, mit dem Artefakt als Prüfstein.
Literaturreviews werden vorab registriert. Das ist kein Formalismus, sondern die einzige Art, ein Review überprüfbar zu machen. Veröffentlicht wird die Registrierung zusammen mit der Arbeit.
Laufende Projekte
Konzeptualisierung von Blue-Collar-Arbeit
Systematisches Literaturreview zur Frage, wie diese Beschäftigtengruppe in der Forschung überhaupt gefasst wird, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen an zwei britischen Universitäten. Ein Zwischenbefund: die Begriffslage ist uneinheitlich, domänenspezifische Konzeptualisierungen fehlen weitgehend.
Datengetriebene Bestandssteuerung für KMU
Design Science Research zu skalierbaren Klassifikationswerkzeugen, mit einem Co-Autor an einer Schweizer Fachhochschule. Das Artefakt ist eine lauffähige Anwendung. Zwei Working Papers sind erschienen, die Journalfassung ruht derzeit zugunsten anderer Vorhaben.
Drittmittelprojekt mit internationalen Partnern
Mitarbeit in einem national finanzierten Forschungsprojekt. Mein Beitrag liegt in der empirischen Erhebung und der qualitativen Auswertung, eine gemeinsame Publikation ist in Vorbereitung. Näheres, sobald sie steht.
Operative Reaktionsfähigkeit in der Intralogistik, Vortrag 16.09.2026
Angenommener Beitrag zum 22. Fachkolloquium Logistik der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Technische Logistik in Magdeburg. Die These: Reaktionsfähigkeit ist weniger eine Frage der Methodik als der organisatorischen Gestaltung. Der Vollbeitrag ist eingereicht.
Zum Nachlesen
Kürzere Texte zur Forschung, für Leserinnen und Leser aus der Praxis geschrieben. Eine dreiteilige Reihe aus den Befunden der Dissertation.
- Warum Agilität in der Intralogistik scheitert
Teil 1, März 2026 - Was Blue-Collar-Teams wirklich reaktionsfähig macht
Teil 2, drei Muster aus 23 Unternehmen, Mai 2026 - Die Zukunft der Lagerarbeit
Teil 3, Agilität, KI und was sich wirklich verändert, Mai 2026
Kooperation
Für gemeinsame Anträge, Ko-Betreuung von Abschlussarbeiten oder Praxis-Forschungs-Partnerschaften bin ich ansprechbar. Am ehesten passt es, wenn eine Frage aus einem Betrieb kommt und methodisch sauber beantwortet werden soll.