Forschung

Mein Forschungsgebiet ist Logistik und Supply Chain Management mit Schwerpunkt auf der Arbeit der Menschen in der Intralogistik: wie Beschäftigte, Arbeitsorganisation und Technik auf der operativen Ebene zusammenwirken, und wie Betriebe unter Automatisierung und Fachkräftemangel reaktionsfähig bleiben.

International schliesst das an die Diskussion um menschzentrierte Intralogistik (Warehousing 5.0, Operator 4.0 und 5.0) an.


Erste Linie

Blue-Collar Work: Definition und Konzept

Was «Blue-Collar-Arbeit» in der Intralogistik heisst, ist innerhalb der Logistikforschung bisher unterdefiniert (Stand 2026); die Bezeichnungen für diese Beschäftigtengruppe sind uneinheitlich. Gemeint ist hier die operative Arbeit in den Prozessen auf dem Betriebsgelände, die den Fluss von Material und Waren sicherstellen, vom Wareneingang über die Kommissionierung bis zum Verladen.

Blue-Collar-Tätigkeit in der Intralogistik geht über Routine hinaus. Sie verlangt Systemverständnis, Koordination und Verantwortungsübernahme. Wer sie als repetitiv modelliert, modelliert am Gegenstand vorbei.


Zweite Linie

Blue-Collar-Agility: Reaktionsfähigkeit und Arbeitsorganisation

Aus 23 Interviews in Schweizer Betrieben entstand ein Modell der operativen Reaktionsfähigkeit, festgemacht an einfachen, im Betrieb gewachsenen Praktiken. Publiziert als Monografie (Springer Gabler 2026) und in Logistics Innovation 1/2026; die Verdichtung auf fünf organisatorische Determinanten wurde an der WGTL-Fachtagung 2026 vorgestellt und ist in den Proceedings des Logistics Journal erschienen.

Grundlage sind ein systematisches Literaturreview und 23 teilstrukturierte Experteninterviews in der Deutschschweiz. Auswertung als qualitative Inhaltsanalyse mit MAXQDA, Intercoder-Reliabilität über Cohen’s Kappa.


Dritte Linie

Technik, Spielraum und Autonomiegrad

Ein hoher Automatisierungsgrad verschiebt die Quelle der Reaktionsfähigkeit vom Menschen zum System; bleiben Menschen im Prozess, wird ihr Spielraum wichtiger. Dazu laufen Erhebungen zur Technologieakzeptanz in Schweizer Betrieben, im Rahmen betreuter Abschlussarbeiten.


Nebenlinien

Entscheidungsunterstützung für die Bestandssteuerung in KMU und für die Vorauswahl von Micro-Fulfillment-Standorten aus offenen Register- und Geodaten, dazu Educational AI (ein Working Paper mit zwei Ko-Autoren zur KI-gestützten Erstellung von Lerninhalten, verprobt in der Berufsbildung, 2026). Die Working Papers liegen mit DOI auf Zenodo. Jenes zum Micro-Fulfillment entstand aus betreuten Semesterarbeiten, mit den Studierenden als Erstautoren, und enthält Datensatz und Codebook.


Laufende Vorhaben

Lehrbuch Supply Chain Management für Höhere Fachschulen, erscheint 2027

Technologieakzeptanz in der Intralogistik, Feldphase seit September 2026

Betreute Bachelorarbeiten erheben Primärdaten in Schweizer Betrieben.

Drittmittelprojekt mit internationalen Partnern, laufend

Mitarbeit in einem vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojekt, Laufzeit bis Mai 2027. Mein Beitrag liegt in der empirischen Erhebung und der qualitativen Auswertung.


Studierende

Forschung entsteht auch in der Betreuung

Sehr gerne arbeite ich zusammen mit Studierenden und ihren Abschlussarbeiten weiter an Themen. Etwa zur Akzeptanz neuer Technik in der Intralogistik oder zur Rolle von Erfahrungswissen bei Störungen oder weiteren interessanten Gebieten.

Die Studierenden bearbeiten ihre eigene Fragestellung und behalten die Autorschaft daran. Wo daraus eine gemeinsame Publikation entsteht, entsteht sie mit ihnen als Ko-Autorinnen und Ko-Autoren. Mehr zur Betreuung


Methodik

Anwendungsorientiert heisst hier: die Frage kommt aus dem Betrieb, die Methode aus der Wissenschaft, und das Ergebnis muss in beiden bestehen.

Qualitativ und gestaltungsorientiert, mit dem Anspruch, dass jeder Schritt nachvollziehbar bleibt. Systematische Literaturreviews nach PRISMA, teilstrukturierte Experteninterviews mit dokumentiertem Auswahlkriterienkatalog, qualitative Inhaltsanalyse in MAXQDA mit Gütekriterien. Für Werkzeugentwicklung Design Science Research, mit dem Artefakt als Prüfstein.


Grundsätze

Wie ich forsche

Arbeiten, die ich betreue, von der Semesterarbeit bis zur Masterthesis, sind Prüfungsleistungen. Publikationen daraus entstehen nur mit ausdrücklichem Einverständnis der Studierenden, erst nach der Bewertung und nie aus vertraulich gestellten Arbeiten; Working Papers aus ihren Arbeiten erscheinen mit ihnen als Erstautorinnen und Erstautoren. Betriebe, die an Erhebungen mitwirken, erhalten ihre Ergebnisse zurück. Beratungsmandate und Forschungsdaten sind getrennt. Forschungsdaten werden in Mandaten nicht verwendet, und Daten aus einem Mandat fliessen nur mit schriftlicher Einwilligung des Betriebs in die Forschung.


Zum Nachlesen

Kürzere Texte zur Forschung, für Leserinnen und Leser aus der Praxis geschrieben. Eine dreiteilige Reihe aus den Befunden der Dissertation.

Alle Beiträge · Vollständige Publikationsliste


Kooperation

Für gemeinsame Anträge, Ko-Betreuung von Abschlussarbeiten oder Praxis-Forschungs-Partnerschaften bin ich ansprechbar. Am ehesten passt es, wenn eine Frage aus einem Betrieb kommt und methodisch sauber beantwortet werden soll.

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